Zur Gewalt an der griechisch-türkischen Grenze

Wir sind verzweifelt. Wir sind wütend.

„Wellen“, „Ströme“, „Krise“. Wieder werden diese Metaphern in den Medien und von Politiker*innen in Zusammenhang mit Geflüchteten gebracht. Sie beschwören eine Gefährdung durch Schutzsuchende, sie lösen Ängste aus und befördern Gewalt. Doch es ist nicht nur ein Déjà-vu zur Berichterstattung in 2015. „Es kommt immer noch etwas oben drauf: die Gesetzesverschärfungen vom letzten Sommer, das Attentat in Halle, das rassistische Attentat in Hanau und jetzt die massive Gewalt an den Grenzen in Griechenland und Bulgarien“, so eine Mitarbeiterin aus einem Psychosozialen Zentrum. „Unsere Klient*innen sind extrem unruhig. Sie sind getrieben von der Angst, dass auch Ihnen bald etwas Schlimmes passiert. Die Bilder von den Geschehnissen holen die eigenen Erfahrungen von der Flucht wieder hoch, einige bangen um ihre Familien und Freund*innen.“

Politiker*innen fordern jetzt, der Kontrollverlust von 2015 in Deutschland dürfe sich nicht wiederholen. Währenddessen sehen wir, wie Tausende Schutzsuchende durch die exzessive menschengemachte Gewalt an der türkisch-griechischen Grenze einen der extremsten Kontrollverluste erfahren, denen die menschliche Psyche ausgesetzt sein kann.

In den Stimmen aus der Politik in Deutschland zur Situation an den Außengrenzen schwingt keine Solidarität mehr für die geflüchteten Menschen mit, sondern lediglich Solidarität, wenn es um die Sicherung der Grenzen geht – mit Tränengas, Schüssen und rechten Attacken.

Wir als Akteur der psychosozialen Unterstützung von Geflüchteten sind erschüttert über die Menschenrechtsverletzungen an den Außengrenzen. Europa und auch Deutschland muss Zufluchtsort bleiben und Menschen in Not den notwendigen Schutz und Zugang zu einem fairen Asylverfahren bereitstellen.