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Versorgungsbericht für Baden-Württemberg veröffentlicht

In Baden-Württemberg existieren inzwischen 9 Psychosoziale Zentren für Geflüchtete. Doch auch sie sind nicht Teil der Grundversorgung. Warum auch hier die Versorgungssituation nach wie vor angespannt ist und welche Lösungswege es gibt, dazu haben die Landesärztekammer und die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg ihren inzwischen „4. Versorgungsbericht Traumatisierte Geflüchtete“ veröffentlicht.

Welche Ursachen benennt der Bericht für die angespannte Versorgungssituation?

  1. Asylsuchende haben in den ersten 36 Monaten keinen automatischen Anspruch auf psychotherapeutische Leistungen. Mehrmonatige Bearbeitungszeiten ohne Aussicht auf eine Kostenzusage können dazu führen, dass Therapien gar nicht zustande kommen oder abgebrochen werden.
  2. Die Finanzierung der 9 PSZ ist trotz vielfältiger Bemühungen weiterhin ohne langfristige und verlässliche Stabilität.
  3. Sprachmittlung ist immer noch keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen und wird nicht systematisch finanziert.

„Hilfsbedürftige kranke Menschen werden nach erfahrener Gewalt und psychischen Traumata zu lange allein gelassen.“

Dr. Erik Nordmann, Menschenrechtsbeauftragter der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg

Welche Lösungswege zeigt der Versorgungsbericht auf?

  1. Eine verlässliche, nachhaltige und am Versorgungsbedarf ausgerichtete finanzielle Absicherung der PSZ aus öffentlichen Mitteln.
  2. Ausbau und Finanzierung von professioneller Sprachmittlung im Gesundheitswesen.
  3. Anpassung von Bedarfsplanungen und Förderprogramme, um ambulante psychotherapeutische Versorgung (auf dem Land) attraktiver zu machen.

„Psychosoziale Zentren sollten deshalb Teil der Grundversorgung sein. Ohne sie bleiben viele Überlebende von Folter und Krieg unversorgt – was neben dem individuellen Leiden mit hohen Folgekosten für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft einhergeht.“

Dr. Erik Nordmann, Menschenrechtsbeauftragter der Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg

Der Versorgungsbericht kann auf der Homepage der Landesärztekammer heruntergeladen werden.