Nach mehr als vier Jahren Krieg nimmt die internationale Aufmerksamkeit für den Ukraine-Krieg ab. Die Vereinten Nationen zählen bis 2026 über 15.000 getötete und über 40.000 verletzte Zivilistinnen, darunter mehrere tausend Kinder. Zurück bleiben Menschen, die unter Beschuss weiterleben, arbeiten, trauern und sich gegenseitig unterstützen.
Die Organisation ROKADA, ein Projektpartner des Bundesverbands Psychosozialer Zentren, leistet mit 500 Mitarbeitenden in der West- und Zentralukraine Rechtsbeistand und psychologische Beratung, insbesondere für Binnenvertriebene.



In eindrücklichen Interviews und Statements schildern die Fachkräfte von ROKADA im Bericht wie sie – trotz widrigster Umstände – Geflüchtete, Kriegsopfer und ihre Familien psychologisch versorgen. Dabei sind die Therapeut:innen und Psycholog:innen selbst vom Krieg betroffen. Diese gemeinsame traumatische Realität stärkt die Beziehung zwischen Fachkräften und Klient*innen. Im Bericht geht es um weitere Aspekte der psychotherapeutischen Praxis im Ukraine-Krieg: etwa die besonderen Bedarfe von Kindern oder die Entstigmatisierung und Normalisierung psychologischer Arbeit in der Mitte der ukrainischen Gesellschaft.



Um diese wichtige Arbeit fortsetzen zu können, braucht es eine Stärkung der Mitarbeitenden – etwa durch Supervision und eine verlässliche, mehrjährige Finanzierung – auch im Hinblick auf den Wiederaufbau.
ROKADA, 2003 gegründet, begann als kleine Organisation mit etwa 20 Mitarbeitenden. Nach Beginn der großflächigen Invasion im Februar 2022 musste sich das Team zunächst in Sicherheit bringen, nahm seine Arbeit aber schnell wieder auf. Heute zählt die Organisation über 500 Mitarbeitende in 17 Regionen der West- und Zentralukraine und bietet unter anderem Rechtsberatung und psychologische Unterstützung an.
Der Bundesverband der Psychosozialen Zentren ist der Dachverband der derzeit 51 psychosozialen Zentren in Deutschland, die Überlebende von Krieg, Folter und Zwangsvertreibung unterstützen. Seit über 25 Jahren setzt sich die Organisation für eine umfassende und leicht zugängliche Betreuung von Flüchtlingen ein. Der Verband vertritt die Interessen von Überlebenden schwerer Menschenrechtsverletzungen, vernetzt Akteure der psychosozialen Arbeit auf nationaler und europäischer Ebene und prägt den beruflichen und politischen Diskurs durch Projekte, Veranstaltungen und Publikationen.