„Train to Care“

„Train to Care“ – Eine Aufklärungs- und Bildungsinitiative in Ostdeutschland und Osteuropa

Versorgung von Flüchtlingen

(Foto: ovokuro / photocase.de)

Die medizinische und psychotherapeutische Versorgung von Flüchtlingen und Folteropfern weist sowohl in Ostdeutschland als auch in den osteuropäischen Nachbarländern Polen und Tschechien erhebliche Defizite auf. Aktuelle Daten zu Versorgungssituation traumatisierter Flüchtlinge in Ostdeutschland, die im Rahmen des Pilotprojekts Strukturverbesserungen in der gesundheitlichen Versorgung von Überlebenden von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen in Ostdeutschland” erhoben wurden, belegen die deutlichen Mängel. So kann beispielsweise fast der Hälfte der Anfragen auf Aufnahme in das Therapieprogramm eines Behandlungszentrums nicht zeitnah nachgekommen werden. Annähernd 50 % der Personen auf den Wartelisten müssen 6 Monate bis über ein Jahr auf einen Therapieplatz warten.

Die Realität mit diesen erheblichen Kapazitätsdefiziten und einer weitreichenden strukturellen Diskriminierung im Zugang zum Gesundheitssystem widerspricht den Schutz- und Leistungsverpflichtungen die Deutschland, ebenso wie Polen und Tschechien im Rahmen mehrerer völker- und europarechtlicher Konventionen gegenüber besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen eingegangen ist.

Ziele und Aktivitäten: Die Aufklärungs- und Bildungsinitiative

Das Projekt „Train to Care“ reagiert auf die unzureichende Versorgungssituation in den fünf ostdeutschen Bundesländern sowie in Polen und Tschechien. Es beginnt im Mai 2014 und läuft bis Oktober 2015.

Durch den Abbau von Barrieren beim Zugang zu fachgerechten Behandlungsangeboten und einer Förderung der Inklusion in die gesundheitliche Regelversorgung der drei Staaten soll traumatisierten Flüchtlingen der Zugang zu medizinischer und psychotherapeutischer Versorgung erleichtert werden.
Konkret bedeutet dies zum einen eine engere Zusammenarbeit mit ÄrztInnen und PsychotherapeutInnen. Durch engere Kommunikation mit Fachkräften aus den Behandlungszentren sollen Berührungsängste niedergelassener Fachkräfte mit der Behandlung von Überlebenden von Folter und anderen schweren Menschenrechtsverletzungen abgebaut werden. In Form von Fortbildungen kann Wissen und Behandlungserfahrung an Fachkräfte aus der Regelversorgung weitergegeben und Expertise im Umgang mit Flüchtlingen geschaffen werden. Hinzu kommt der Ausbau von Dolmetscherdiensten, der abhängig von der regionalen Infrastruktur direkt oder telefongestützt erfolgen kann, um sprachliche Barrieren zwischen Betroffenen und Fachkräften zu überwinden.
Zum anderen wird eine flächendeckende Vernetzung zwischen Behandlungszentren, Partnerorganisationen, mit Versorgungssystemen, Kostenträgern und kommunalen Verwaltungen angestrebt. Durch den Aufbau internationaler Netzwerke sollen die Aufnahmebedingungen und Behandlungspraxen für Flüchtlinge und Folteropfer nachhaltig verbessert werden.

Der Versorgungsbericht zur Situation von Flüchtlingen und Folteropfern in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, der im Rahmen des Pilotprojekts entstanden ist soll nun auf alle fünf ostdeutschen Bundesländer erweitert werden und durch weitflächige Publikation und Verbreitung einen Beitrag zur Aufklärung und Sensibilisierung der Fachöffentlichkeit leisten. Zudem kann er für Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit genutzt werden um gesundheits- und sozialpolitischen Entscheidungsträgern den Handlungsbedarf deutlich zu machen und einen Ausbau der regionalen Versorgungsstruktur zu erwirken.

„Train to Care“ ist ein Projekt der BAfF in Kooperation mit refugio thüringen e.V., dem PSZ Sachsen-Anhalt, dem PSZ Greifswald, der Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit e.V. – ISA, Potsdam aus den ostdeutschen Bundesländern sowie der Fundacja Miedzynarodowa Inicjatywa Humanitarna in Warschau, Polen und der Organizace pro Pomoc Uprchlíků in Prag, Tschechien. Es wird gefördert durch „Pilot Projects on Victims of Torture“ (PPVOT).

baff logo   Bild: LogoPSZ Sachen Anhalt

     Organizace pro pomoc uprchlíkům  

 

 

 

 

 

 

eu  Das Projekt wird gefördert durch „Pilot Projects on Victims of Torture“ (PPVOT)