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Trauma, Empowerment und Solidarität

Wie können wir zu einem verantwortungsvollen und ermächtigenden Umgang mit Trauma beitragen? Und wie können die Konzepte Trauma, Empowerment und Solidarität miteinander in Verbindung gebracht werden? Auf diese Fragen versuchen wir, in unserer neuen Publikation „Trauma, Empowerment und Solidarität“ einzugehen. Dabei ist es uns wichtig, die Zusammenhänge auf mehreren Ebenen zu betrachten: der politische Kontext aller Konzepte, ihre zwischenmenschlichen Konsequenzen, Chancen und Grenzen, die Bedeutung von gesellschaftlicher Position, sowie die Tendenz zur Individualisierung und Pathologisierung der Betroffenen von Trauma und Gewalt.

Wir möchten deutlich machen, dass Überlebende von Trauma und Gewalt selbstbestimmt und stark sind – und gleichzeitig andere Menschen brauchen, um sich von den gemachten Erfahrungen zu erholen, das Weiterleben unter gewaltvollen, diskriminierenden Umständen zu erleichtern und dem Wort „Widerstandskraft“ vielleicht sogar eine zweite, politische Lesart zu geben. 

Es ist uns wichtig, die emanzipatorischen Wurzeln des Empowermentbegriffs vorzustellen und dabei Definitionen von Empowerment und Solidarität zu nutzen, die die Verhältnisse zwischen den Beteiligten klären: Empowerment wird als heilende, bestärkende Erfahrung zwischen gleichberechtigten Betroffenen beschrieben, und die Verwendung des Begriffs als „instrumentalisierende“ Geste von Hilfesystemen problematisiert. Solidarität dagegen kann und sollte auch von Ehrenamtlichen, Gruppen und Organisationen ausgehen, die keine Fluchterfahrungen gemacht haben, weiß sind und über andere Ressourcen und Privilegien verfügen.

Trauma, Empowerment und Solidarität werden im Kontext von Flucht verortet und verschiedene Beispiele von Refugee-Selbstorganisierung, des Unterschieds zwischen Solidarität und Paternalismus in der Ehrenamtlichen-Arbeit sowie der Einordnung von psychosozialen Programmen der sogenannten Peer-Beratung genauer betrachtet. Der „Blick in die Praxis“ zeigt schließlich die Umsetzung verschiedener Ansätze und widmet sich ausführlich der Vorstellung der Chancen und Herausforderungen der potentiell empowernden Methode „Photovoice“. 

Wir möchten dazu motivieren, sich gesamtgesellschaftlich den Themen Trauma und (strukturelle) Gewalt mehr zu widmen – vor allem, aber nicht nur – was den Umgang mit Fluchterfahrungen angeht. Dazu gehört auch, die eigene Position in den bestehenden Verhältnissen zu kennen und sinnvoll einzusetzen, um auf zwischenmenschlicher Ebene zu bestärken, anstatt zu verletzen und auf struktureller Ebene echte Änderungen herbeizuführen.


In einem „Photovoice“-Projekt der BAfF ist zudem der Bildband „PastPresentFuture“ entstanden. Dieser kann ebenfalls als pdf heruntergeladen oder bestellt werden.