AOK-Studie fordert Ausbau des psychotherapeutischen Angebots für Geflüchtete

Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat eine repräsentative Studie zur Gesundheit von Geflüchteten erstellt und kommt zu dem Ergebnis, dass rund drei Viertel der Schutzsuchenden unterschiedliche Formen von Gewalt erfahren haben und oft mehrfach traumatisiert sind. Mehr als 40 % zeigen Anzeichen einer Depression. Die Studie bestätigt die Erfahrungen der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer und des Dachverbands BAfF aus den vergangenen 20 Jahren: Bürokratische und sprachliche Hürden müssen abgebaut werden. Ein Ausbau der psychotherapeutischen Angebote für Geflüchtete ist dringend erforderlich.

Die Studie „Gesundheit von Geflüchteten in Deutschland – Ergebnisse einer Befragung von Schutzsuchenden aus Syrien, Irak und Afghanistan“ von Helmut Schröder, Klaus Zok, Frank Faulbaum berichtet, dass drei von vier Geflüchteten (74,7 %) Formen von Gewalt erfahren haben und oft mehrfach traumatisiert sind. Aus der Studie geht hervor, dass mehr als 40 % aller Befragten Anzeichen einer depressiven Erkrankung aufzeigen. Mutlosigkeit, Trauer und Bedrückung, Nervosität und Unruhe werden hier genannt, ebenso Müdigkeit und Erschöpfung sowie Schlafstörungen.

Die 37 Psychosozialen Zentren in Deutschland versorgten im vergangenen Jahr über 20.000 Menschen, die keinen Zugang zum regulären Gesundheitssystem hatten. In der Studie gaben 27 % der chronisch erkrankten Geflüchteten an, in den letzten sechs Monaten eine Ärzt*in in Deutschland aufgesucht zu haben, dort aber nicht behandelt worden zu sein. Die Studienautoren fordern, dass Geflüchtete ab dem ersten Tag einen umfassenden Anspruch auf medizinische Versorgung haben sollten, wie er auch gesetzlich Krankenversicherten zusteht. Bürokratische Hürden und sprachliche Hemmnisse müssten abgebaut und das psychotherapeutische Angebot solle ausgebaut werden. Diese Forderung unterstützt die BAfF nachdrücklich. Jedes Jahr müssen in den Psychosozialen Zentren über 10.000 Hilfe suchende Geflüchtete abgewiesen werden, da nicht genügend Plätze für Behandlung und Beratung vorhanden sind.

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer – BAfF – begrüßt es, dass nun eine bundesweite Studie vorliegt, die belegt, wie viele Geflüchtete psychosoziale Unterstützungsangebote benötigen könnten. Bereits seit 40 Jahren bieten die mittlerweile 37 Psychosozialen Zentren Psychotherapie und (psycho)soziale Beratung für geflüchtete Menschen an, die von staatlicher Seite nicht flächendeckend gewährleistet wird. „Jetzt ist die Bundesregierung aufgefordert, zu handeln und eine gleichberechtigte gesundheitliche und psychosoziale Versorgung für Geflüchtete sicherzustellen“, fordert Elise Bittenbinder, Vorsitzende der BAfF. „Es kann nicht sein, dass bedarfsgerechte Angebote hauptsächlich projekt- und spendenfinanziert werden. Der Staat muss hier Verantwortung zeigen und die bestehenden Angebote strukturell absichern.“

 

Mehr Informationen zur Versorgungssituation von Geflüchteten in Deutschland finden Sie im Versorgungsbericht der BAfF e.V. unter http://www.baff-zentren.org/news/lange-wartezeiten-steigende-ablehnungszahlen-aktualisierte-daten-zur-psychosozialen-versorgung-von-fluechtlingen-und-folteropfern/

Die Studie „Gesundheit von Geflüchteten in Deutschland“: https://www.wido.de/publikationen/widomonitor/wido-monitor-1-2018.html

 

 

Über die BAfF

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer e.V. (BAfF) ist der Dachverband der Zentren, Einrichtungen und Initiativen, die sich die psychotherapeutische, soziale und medizinische Behandlung und Versorgung von Geflüchteten in Deutschland zur Aufgabe gemacht haben. Derzeit sind in der BAfF bundesweit 37 psychosoziale Behandlungszentren vernetzt.