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Kampagne zur Sicherung der Gesundheitsversorgung von besonders vulnerablen Flüchtlingen


Menschen, die durch Folter, Verfolgung oder Misshandlung unvorstellbare Qualen erlitten haben, sind häufig traumatisiert und bedürfen spezieller Hilfe und Behandlung. Täglich erleben wir in unserer Arbeit die Verzweiflung der Menschen, von denen wir immer nur einem kleinen Teil helfen können, da der deutsche Staat sich hartnäckig weigert seiner humanitären und mittlerweile auch rechtlichen Verantwortung nachzukommen und besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen psychosoziale und medizinische Hilfe zukommen zu lassen.

In den in der BAfF zusammengeschlossenen Behandlungszentren werden jährlich weitaus mehr Anträge zur Behandlung traumatisierter Flüchtlinge gestellt, als Behandlungsplätze vorhanden sind. Der Bedarf übersteigt die Kapazitäten der Einrichtungen um ein vielfaches, so dass ein großer Anteil der besonders vulnerablen Flüchtlinge ohne Zugang zu jeglichen Versorgungsmöglichkeiten verbleibt. Die Behandlungszentren bekommen ihre Behandlungsleistungen auch nur in Ausnahmefällen durch die Gesundheitsversorgung erstattet. Kosten für die Behandlung traumatisierter Flüchtlinge werden in der Regel nicht übernommen, ebenso wenig wie die Kosten für die meist unerlässlichen Dolmetscher ohne die eine sprachliche Verständigung und somit eine Behandlung nicht möglich ist. Diese Versorgungslücke wird auch nicht durch die öffentliche Gesundheitsversorgung gedeckt, da dafür die fachlichen sowie finanziellen Voraussetzungen fehlen.

Der Mangel an qualitativ ausreichenden Hilfsangeboten für traumatisierte Flüchtlinge in unserem Gesundheitswesen führt oft nicht nur zu einer Unterversorgung, sondern auch zu einer Fehlversorgung. Auf medizinischem Gebiet werden Flüchtlinge, die niedergelassene Ärzte wegen der psychosomatischen Symptome ihrer Traumafolgeerkrankungen aufsuchen, aus Hilflosigkeit und Unkenntnis häufig vielen apparativen diagnostischen Verfahren unterzogen und „übermedikalisiert“.  Das führt für die Betroffenen zu einer Chronifizierung ihres Leidens und für das Gesundheitswesen zu einer unnötigen finanziellen Belastung. Dies gilt ebenso für die psychosozialen Bedingungen, unter denen Flüchtlinge hier leben.

Die Sicherstellung einer solchen Versorgung für alle Flüchtlinge, die ihrer bedürfen, unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, ist Ziel dieser Kampagne. Wie in diesem Sinne die EU-Richtlinie umgesetzt werden kann und welche Modelle einer subsidiären Mischfinanzierung der verschiedenen Geldgeber (Kommunen, Länder, Bund, gesetzliche Krankenversicherungen, Stiftungen, andere Sponsoren) zu entwickeln sind, ist eine gesundheitspolitische Aufgabe, der sich eine entsprechende Arbeitsgruppe annehmen sollte.

Die Bundesweite Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF), die Bundesärztekammer sowie die Deutsche Sektion der Internationalen Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges, Ärzte in sozialer Verantwortung (IPPNW) fordern vom Bundesministerium für Gesundheit die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zur Sicherung der „Gesundheitsversorgung von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen“.

Die Verantwortung für die Rehabilitation von traumatisierten und schutzbedürftigen Flüchtlingen und Opfern von Folter und Menschenrechtsverletzungen, die an den Auswirkungen der Gewalt leiden, muss in der Gesundheitsversorgung strukturell verankert werden. Gesundheitsversorgung ist keine innenpolitische, sondern eine gesundheitspolitische Aufgabe.


Mit Hilfe der Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Gesundheitsversorgung von besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen“ soll ein pragmatischer Weg gefunden werden, die Gesundheitsversorgung für Opfer von Menschenrechtsverletzungen, die in Deutschland Schutz suchen, zu verbessern. Hierfür suchen wir die Kooperation mit allen Akteuren im Gesundheits- und Sozialwesen.


Sie können die Kampagne auf verschiedenartige Weise unterstützen:
1.      Aktiv mitmachen und finanziell unterstützen
2.      Aktiv mitmachen ohne Finanzen
3.      Nur finanziell unterstützen
4.      Nur mit Unterschrift unterstützen


Die "Thüringer Erklärung" zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung von besonders vulnerablen Flüchtlingen sowie weitergehende Informationen zu dem Hintergrund der Kampagne und bisherigen Unterstützern können Sie hier runterladen:

 icon Thüringer Erklärung (156.87 kB)


Kontaktieren Sie uns per Email, wenn Sie uns unterstützen möchten oder weitere Fragen haben:
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Tel.:   030/31012463