Die Entstehung der deutschen und europäischen Zentren
Erste Impulse in den 1970er Jahren
In Ländern, die eine große Anzahl von Flüchtlingen aufnahmen, wurden in den siebziger Jahren einige bedeutende Initiativen von im Exil lebenden HeilberuflerInnen gestartet. In Belgien bot das 1976 gegründete Colectivo Latinoamericano de Trabajo Psicosocial (COLAT, Lateinamerikanisches Kollektiv für Psychosoziale Arbeit) ein breites Spektrum therapeutischer Hilfeleistungen innerhalb eines Rahmens an, in dem politische Werte, die in den Herkunftsländern der Flüchtlinge unterminiert worden waren, gepflegt und wieder aufgebaut wurden. COLAT sah seine Rolle in der Hilfe zur "kritischen Integration", das heißt der Fähigkeit von Flüchtlingen, innerhalb ihrer Gastgesellschaft zu funktionieren, diese jedoch nicht einfach unkritisch anzunehmen (Barudy 1989). Als ein Ergebnis der wachsenden Anzahl nicht-lateinamerikanischer Flüchtlinge, die nach Belgien kamen, benannte COLAT sich in EXIL um und erweiterte seine Tätigkeit auf Hilfe für Flüchtlinge und AsylbewerberInnen im Allgemeinen.
In Frankfurt gründete das lateinamerikanische Psychologenehepaar Corvalans 1979 das Psychosoziale Zentrum für Flüchtlinge (heute Ev. Zentrum für Beratung und Therapie für Flüchtlinge), um anderen Lateinamerikanern, die nach Deutschland geflohen waren, Hilfestellung zu leisten. Das Zentrum blieb stark bei der Idee der "Selbsthilfe" bzw. "Hilfe zur Selbsthilfe" und beschäftigte später auch PsychologInnen und PädagogInnen aus anderen Herkunftsregionen. Die Betreuungsangebote bestanden sowohl für gefolterte Flüchtlinge als auch für Opfer anderer Formen von Menschenrechtsverletzungen und Gewalt. In späteren Jahren entstanden in Deutschland noch eine Reihe ähnlicher Zentren.
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Schwerpunktverlagerung ab den 1980er Jahren
In Köln (1985) wurde der Schwerpunkt zum ersten mal auf die psychotherapeutische Betreuung und die Professionalisierung der Hilfsangebote gelegt. Ebenfalls 1985 entstanden in Hamburg mehrere Initiativen (Gesellschaft zur Unterstützung von Gefolterten und Verfolgten e.V.). In Berlin wurde 1986 XENION gegründet und 1987 ein psychosoziales Zentrum in Düsseldorf. Später kamen ein zweites Zentrum in Berlin, BZFO (1992), und weitere Zentren in anderen Städten Deutschlands hinzu. Die Initiatoren (professionelle Heilberufler in Kooperation mit Menschenrechts NGOs oder Flüchtlingsinitiativen) wollten eine flächendeckende, dezentrale Versorgung erreichen: Refugio München (1994), Refugio Bremen (1990), Refugio Kiel (1997), BFU Ulm (1995), PSZ Aachen (1996), Psychosoziale Beratungsstelle Freiburg (1988), Exilio Lindau (1995), Refugio Villingen- Schwenningen (1998), Refugio Stuttgart, PBV Stuttgart, Psychosoziales Beratungszentrum des DRK Saarbrücken, FATRA Frankfurt a.M., Psychosoziale Beratungsstelle für Flüchtlinge Soest, PSZ Nürnberg, Caritas Mayen. Weitere Initiativen: Psychologisches Zentrum Vorpommern, Greifswald, Medizinische Flüchtlingshilfe Bochum. Mit der Vielfalt der Behandlungszentren erfolgte zunehmend auch eine Differenzierung im "Hilfsangebot". Dabei kamen unterschiedliche Ideologien, Werthaltungen oder ethischen Überlegungen zum Tragen.
1996 schloss sich die Mehrheit der deutschen Behandlungszentren zusammen und gründete im selben Jahr ihren Dachverband - die BAfF.







