Training & Coaching für AsylentscheiderInnen

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Hintergrund: Die Anhörungssituation


Sowohl der Dialog mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge als auch unsere Erfahrungen aus der klinischen Praxis weisen seit langem darauf hin, wie bedeutsam der Umgang von AsylentscheiderInnen mit schutzbedürftigen Flüchtlingen für die Qualität der Anhörungen, die Entscheidungen im Asylverfahren sowie das Befinden der betroffenen Flüchtlinge ist.
Die Asylsuchenden selbst können ihre Erfahrungen häufig zunächst nur andeuten. Sie befinden sich in dem Dilemma, ihre traumatischen Erlebnisse vergessen und jede Erinnerung daran vermeiden zu wollen. Gleichzeitig ist es im Asylverfahren notwendig, dass sie ihre Erfahrungen und Hintergründe des Asylbegehrens in dem Sachvortrag substantiiert, stimmig, schlüssig und detailreich schildern. AsylentscheiderInnen sind mit dieser Situation und auch mit den psychischen Folgebelastungen dieser besonders vulnerablen Flüchtlingsgruppe konfrontiert und müssen mit dem jeweiligen Einzelfall umgehen.
Hier besteht ein hoher Bedarf nicht nur an unterstützenden Rahmenbedingungen, sondern auch an für die psychischen Folgen von Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen sensibilisierten EntscheiderInnen. Vor diesem Hintergrund sind gezielte Trainingsmaßnahmen notwendig, um die EntscheidungsträgerInnen bei der Reflexion und Verbesserung ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit sowie auch im Umgang mit eigenem Stress und arbeitsbezogenen Belastungssituationen zu unterstützen.


„Training und Coaching für Entscheidungsträger im Asylprozess“
Pilotprojekt zur Entwicklung und schrittweisen Durchführung eines bundesweiten Curriculums


Um EntscheiderInnen im Asylprozess die nötige Sensibilität, das entsprechende Fachwissen sowie konkrete Handlungsstrategien bezogen auf die besonderen Schicksale sowie mögliche Traumafolge-Symptome von Flüchtlingen zu vermitteln, entwickelten wir ein Pilotprojekt zur Konzeptionalisierung, schrittweisen Durchführung und prozessbegleitenden Evaluation von Trainings-, Coaching und Supervisionsmaßnahmen.


Ziele des Projektes


In den Maßnahmen soll dabei Raum einerseits für eine kontinuierliche Reflexion der eigenen Arbeit, insbesondere des Umgangs mit Asylsuchenden, andererseits für die Entwicklung geeigneter Handlungsstrategien und Stressbewältigungsmechanismen aus den konkret auftretenden Problemen geschaffen werden.
Ziel ist entsprechend sowohl die fachliche Qualifizierung der EntscheiderInnen als auch die Verbesserung ihrer Kompetenzen im Umgang insbesondere mit besonders schutzbedürftigen Flüchtlingen. Über die Entwicklung und Sicherung der Qualität von Anhörungen will das Projekt somit zur strukturellen Verbesserung der Asylpolitik, Asylverwaltung und Asylsprechung beitragen.


Entwicklung eines Trainingscurriculums


Im Rahmen einer eigens für das Pilotprojekt gebildeten Konzeptgruppe entwickelte die BAfF in  Kooperation mit SupervisorInnen der Deutschen Gesellschaft für Supervision e.V. (DGSv) sowie MitarbeiterInnen der Behandlungszentren ein Konzept, das EntscheidungsträgerInnen im Asylprozess die Möglichkeit gibt, unter fachkundiger Anleitung und Begleitung über ihre Arbeit, über berufliche Aufgaben, die eigene Rolle, Strukturen und institutionelle Besonderheiten, die eigene Person und die „Verwicklungen" in den vielfältigen Zusammenhängen des Berufsfeldes nachzudenken, alltägliche, aber auch schwierige und konflikthafte Situationen zu verstehen und dabei Wissen, Denken, Fühlen und Handeln in Einklang zu bringen. Dabei integriert das Trainingskonzept Elemente angeleiteter Selbstreflexion und professionellen Coachings.
Zugleich hat bereits eine Gruppe SupervisorInnen damit begonnen, ein Konzept für professionelle Supervision von mit Asylentscheidungen befassten MitarbeiterInnen des BAMf zu entwickeln.

 

Durchführung der Schulungen

 

Auf Grundlage des entwickelten Trainings- und Coachingmodells wurden die Schulungen schließlich Ende 2011 von ReferentInnen der 5 Partnerzentren an vier Standorten (München, Düsseldorf, Berlin und Frankfurt) durchgeführt.
Im Mittelpunkt stand dabei sowohl die Vermittlung von Fachwissen zu Stressmanagement, Burnoutprophylaxe, zum Umgang mit Krisen und weiteren schwierigen Anhörungssituationen, als auch die Reflexion der eigenen Arbeit im Rahmen des moderierten Erfahrungsaustauschs. Entsprechend wurden die EntscheiderInnen sowohl in ihren Ressourcen und Kompetenzen zur Gewährleistung sachgerechter Asylanhörungen und –entscheidungen gestärkt als auch mit Technicken, die psychische Entlastung erfahren lassen, vertraut gemacht.


Evaluation und Konzeptionalisierung des Folgeprojektes


Alle EntscheiderInnen bewerteten ihre Erfahrungen während der beiden Schulungstage schließlich anhand eines eigens für das Curriculum entwickelten Fragebogens. Anfang Februar werden sowohl die Auswertung der Evaluation als auch die verschiedenen Erfahrungen, die EntscheiderInnen und ReferentInnen im Verlauf des Pilotprojektes gemacht haben, auf einem Colloquium ausgetauscht und diskutiert.

Auf Grundlage der Rückmeldungen kann das Curriculum schließlich für das Folgeprojekt speziell an die konkreten Bedürfnisse der Zielgruppe angepasst werden.

 

Das Projekt wird gefördert vom Europäischen Flüchtlingsfond (EFF)

 

Es wird in Kooperation mit folgenden Partnern durchgeführt:

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