Plattform für Gesundheitsfachleute aus der Menschenrechtsarbeit: Deutschland und Osteuropa im Austausch

Mit der Förderung des Auswärtigen Amtes wird im Projekt „Plattform für Gesundheitsfachleute aus der Menschenrechtsarbeit: Deutschland und Osteuropa im Austausch“ ein Treffen stattfinden, auf dem sich Gesundheitsexpert*innen aus dem Bereich der psychosozialen Versorgung von Geflüchteten, Überlebenden von Folter, Gewalt und anderen Menschenrechtsverletzungen aus unterschiedlichen europäischen Kontexten vernetzen. In Berlin wird hierfür ein konkreter Raum für den Austausch zur Verfügung gestellt und eine dreitägige Konferenz veranstaltet. Diese bietet Raum zur vertieften fachlichen Auseinandersetzung und Diskussion von Herausforderungen und Schwierigkeiten in der Praxis der Versorgung von Flüchtlinge und Folteropfern und der Herausarbeitung gemeinsamer Standards und Kernprinzipien der eigenen Arbeit.

Die Teilnehmer*innen der Konferenz sind ausgewählte Gesundheitsfachleute mit langjähriger Expertise. Dazu gehören Mitarbeiter*innen der beiden osteuropäischen Rehabilitationszentren RCTV Memoria (Moldawien) und RCT Empathy (Georgien) und Mitarbeiter*innen der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer BAfF e.V.. Weitere externe Expert*innen erweitern den Prozess und nehmen ebenfalls an der Konferenz teil. Darunter fallen Vertreter*innen von einem langjährig bestehenden und etablierten Psychosozialen Zentren in Deutschland Zentrum Überleben, eine Vertreterin der ICAR-Foundation (Rumänien), die wissenschaftliche Expertin Dr. Nimisha Patel (UK) sowie eine Mitarbeiterin des Greek Council for Refugees (Griechenland) und der Ärzte der Welt (Griechenland).

Ziel der Konferenz ist es, über bewährte Best Practice Beispiele und Lessons Learned aus der psychosozialen Praxis in moderierten Gesprächskreisen zu diskutieren, um Prinzipen der multidisziplinären und psychosozialen Praxis herauszuarbeiten und in den vertieften Austausch dazu zu kommen, wie diese Prinzipien konkrete Umsetzung erfahren in der Praxis der verschiedenen an der Versorgung beteiligten Berufsgruppe.

Durch den diskursiven Rahmen der Veranstaltung werden einerseits Parallelen zwischen den verschiedenen Ländern geschaffen und verdeutlicht, während andererseits die Barrieren, welche Überlebende von Folter und Flüchtlinge vielfach in den unterschiedlichen Versorgungslandschaften erfahren verdeutlicht und festgehalten. Dabei reicht die Bandbreite an Defiziten von der fehlenden asyl- und sozialrechtlichen Beratung in den Ländern über die Knappheit von Versorgungsangeboten im Regelsystem bis hin zur mangelnden Anerkennung von menschlichem Leid, die in allen teilnehmenden Ländern zu unterschiedlichem Ausmaß vorherrschen.

Während in Georgien Gesundheitsfachleute teils in solchen Gebieten psychosoziale Angebote an Opfer von struktureller Gewalt anbieten, in denen das Militär und willkürliche Gewaltpraxen präsent sind, sind Menschenrechtler*innen und Gesundheitsfachleute aus Moldawien mit repressiven Politiken, willkürlicher Rechtspraxis und teils Bedrohung auf einer persönlichen Ebene konfrontiert. Mitarbeitende in den Deutschen Zentren hingegen geraten immer mehr unter Beschuss von asylfeindlichen und rassistischen Kampagnen, in denen über den Diskurs zu Flüchtlingen, asyl- und migrationspolitische Relativierungen passieren. Über die verschiedenen Ländergrenzen vom Herzen Europas über die östlichen Grenzen bis hin zu Georgien sind die Arbeitsbedingungen von Menschenrechtler*innen, die sich für eine adäquate gesundheitliche Versorgung von Folterüberlebenden einsetzen, massiv eingeschränkt und erschwert.

Umso wichtiger ist die Schaffung von Räumen zur Vernetzung, kritischen Reflektion und zur Diskussion, welches ein Kernziel des Projektes ist. In Ergänzung zu den fachlichen Referaten durch Expert*innen aus der Forschung sollen Erfahrungsberichte und bewährte Best Practice Beispiele aus den jeweiligen Rehabilitationszentren eine vertiefte Auseinandersetzung über die Herausforderungen und Schwierigkeiten aus der psychosozialen Praxis ermöglichen, die kritisch reflektiert und diskutiert werden sollen. Die Diskussion über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den praktischen Ansätzen und Verständnissen dient dem Ziel gemeinsame Prinzipien der multidisziplinären und psychosozialen Traumapraxis zu identifizieren. Dies soll in einem Rahmen geschehen, welcher eine multidisziplinäre Diskussion ermöglicht.

Um die Vertraulichkeit im Diskurs über Herausforderungen und Schwierigkeiten aus der Praxis zu gewährleisten, wird die dreitägige Konferenz intern geschlossen sein und keine öffentliche Veranstaltung sein. Die Ergebnisse aus der Konferenz hingegen werden entsprechenden (Fach)Öffentlichkeiten zugänglich gemacht.

 

Das Projekt wird gefördert durch das Auswärtige Amt